Dinslaken, meine Stadt

Stadtgeschichte

Stadtgeschichte von Dinslaken                                       Quelle: Autor nicht bekannt, siehe Wikipedia / Lizenzbestimmungen: creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de kleine Stadtgeschichte als pdf    Quelle: siehe Website Stadt Dinslaken    alle Informationen über Dinslaken erfahren Sie auch bei GenWiki

Mittelalter

Der Name Dinslaken erklärt sich aus den bis in die 1950er Jahre im Stadtgebiet vorhandenen Tümpeln, Laken. Im 12. Jahr-hundert wurde Dinslaken in einem Grund- und Zinsbuch des Klosters Werden als „Lake juxta instincfeld“ (Lake bei Hiesfeld) erstmals urkundlich erwähnt. Im selben Zeitraum wurde auch ein Kastell errichtet, welches 1420 zu einer Burg ausgebaut und in der Neuzeit als „Hexen“-Gefängnis genutzt wurde. Bereits 1273 verlieh Graf Dietrich VII. von Kleve der Ortschaft Stadt-rechte. Dinslakener Gewerbetreibende konzentrierten sich in dieser Zeit vor allem auf die Produktion und den Verkauf von Tuch und Leinen. Am 21. September 1412 stellte Graf Adolf II. von Kleve eine  Urkunde aus, in der er der Stadt Dinslaken ein „Wollenamt“ (eine Tuchmachergilde) bewilligte. Vor 1433 ent-stand der Schwesternkonvent Marienkamp. 1478 erhielt Dinslaken Marktrechte und trat 1540 der Hanse bei. Während des Achtzigjährigen Kriegs wurde die Dinslakener Burg 1627 durch nieder-ländische Truppen eingenommen und niedergebrannt, jedoch später wiedererrichtet. Erst 1770 wurde der Turm der Burg durch Blitzschlag schwer beschädigt und die Burg zum Sitz des Rentmeisters umfunktioniert. 1709 erwähnte eine von Wesel  ausgehenden Botenpost erstmals die Bezeichnung „Dinslaken“, ab 1712 bestand bereits eine regelmäßige Post-wagenverbindung von Düsseldorf über Dinslaken bis Wesel. 1753 wurde die Stadt Sitz eines collegialischen Landgerichts im Herzogtum Kleve. 1784 zählte  Dinslaken 870 Einwohner. 19. Jahrhundert  Als Dinslaken nach den Napoléonischen Kriegen 1816 zurück an Preußen fiel, wurde der Kreis Dinslaken gegründet und 1823 mit dem Landkreis Essen zum neu entstandenen Landkreis Duisburg zusammengefasst. Erst zum 1. April 1909 existierte wieder ein Landkreis Dinslaken, nachdem das Gebiet vom 8. Dezember 1873 zum Landkreis Mülheim an der Ruhr und vom 20. April 1887 zum Landkreis  Ruhrort gehört hatte. Während der Märzrevolution 1848 wurde zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung eine Bürgergarde gebildet; am 4. Mai besuchte Prinz Wilhelm von Preußen (später Kaiser Wilhelm I.) die Stadt. 1850 entstand im Zuge der Industrialisierung eine Leimfabrik, später auch eine Zündkerzenfabrik, 1873 eine Eisengießerei. Die  Dinslakener Burg wurde 1853 von der Familie de Fries erworben, die darin Landwirtschaft und eine Schnapsbrennerei etablierte. Die wirtschaftliche Bedeutung Dinslakens lässt sich vor allem am Ausbau der Infrastruktur erahnen. 1855 hatte Dinslaken 1752 Einwohner. Am 1. Juli 1856 wurde nach einer Bauzeit von nur zwei Jahren der Abschnitt Oberhausen–Dinslaken der Hollandstrecke durch die Cöln- Mindener Eisenbahngesellschaft in Betrieb genommen und in Folge dessen der Postkutschen-verkehr eingestellt. Durch den Ausbruch der Cholera 1866/1867 verringerte sich die Bevölkerungszahl vorübergehend. 1871 lebten in Dinslaken 2147 Menschen. 1883 wurde das St.-Vinzenz-Hospital gegründet, eine Feuerwache folgte 1890 ebenso wie die Ortsgruppe der SPD. Im selben Jahr bildete sich die  Kolpingsfamilie als Gesellen- und Arbeiterverein. Über das Jahr 1884 wurden erstmals mehr als 10.000 Tiere auf dem Dinslakener Viehmarkt dargeboten, der schon in den Jahren zuvor für wirtschaftlichen Aufschwung gesorgt und Dinslaken zu einem Zentrum am Niederrhein gemacht hatte. 1896 wurde ein neues  Amtsgericht fertiggestellt, welches später auch als Rathaus genutzt werden sollte. Im selben Jahr begründeten August und Josef Thyssen in Dinslaken eine oHG; im Jahr 1897 begann der Bau des Walzwerks „Deutscher Kaiser“. 1900–1929 1900 beschloss der Dinslakener Stadtrat den Bau eines Wasser– und eines Gaswerks sowie die Rückerwerbung der Dinslakener Burg, während die erste Straßenbahn Dinslakens den Betrieb aufnahm. Drei Jahre später wurden die ersten Straßenlaternen aufgestellt; 1906 begann die bis 1912 andauernde Errichtung der Zeche „Lohberg“, wo erstmals 1909 Kohle gefördert werden konnte. Zum 1. April 1909 wurde erneut ein Landkreis Dinslaken eingerichtet. Im selben Jahr wurde die ehemalige Burganlage zum Kreishaus umgestaltet; bevor jedoch die ersten Arbeiten aufgenommen werden konnten, wurden Teile der Anlage bei einem Brand zerstört. Der Viehmarkt gewann indes noch weiter an Bedeutung, so dass im selben Jahr 33.500 Tiere angeboten wurden. Bereits seit 1908 berichtete der „Dinslakener Generalanzeiger“ als erste Tageszeitung Dinslakens, 1910 wurde eine Volksbücherei eingerichtet. 1913 zählte Dinslaken erstmals mehr als 10.000 Bürgerinnen und Bürger. Im folgenden Jahr förderte die Zeche Lohberg 27.000 Tonnen Kohle. Eine Straßenbahnlinie vom Bahnhof nach Lohberg ging in Betrieb (1914). Während des Ersten Weltkrieges wurde die 1914 erbaute Viehhalle zum Kriegsgefangenenlager umfunktioniert und 1916 ein neuer Bahnhof in Betrieb genommen. 1917 verlieh der Stadtrat  sowohl August Thyssen als auch Paul von Hindenburg die Ehrenbürgerschaft. Im selben Jahr wurde die bis dahin selbstständige  Gemeinde Hiesfeld nach Dinslaken eingemeindet. Zum Ende des Krieges trat 1918 ein Arbeiter- und Soldatenrat zusammen, der Stadtrat beschloss die Bildung einer Schutzwehr. Bei den Wahlen zur Nationalversammlung kam es 1919 insbesondere durch Konflikte mit kommunistischen Gruppen zu Unru-hen in Dinslaken, die mit der Erschießung eines Arbeiters in Lohberg ihren tragischen Höhepunkt fanden. Im folgenden Jahr besetzten aufständische  Arbeiter und Soldaten unter dem Namen „Rote Armee“ die Stadt; der Betriebsdirektor der Zeche Lohberg fiel im selben Jahr einem  Mordanschlag zum Opfer. Als das Ruhrgebiet am 11. Januar 1923 wegen rückständiger Reparationszahlungen nach dem Versailler Vertrag von Frankreich und  Belgien besetzt wurde, marschierten belgische Truppen auch in Dinslaken ein. Die Stadt, wirtschaftlich durch die aufkom-mende Inflation und Massenarbeitslosigkeit geschwächt, begann im selben Jahr eigenes Geld zu drucken, kurz darauf wurde jedoch auch in Dinslaken die Rentenmark eingeführt. Die allgemeinen Unruhen, insbesondere in Lohberg, setzten sich jedoch fort, es kam zu politischen Morden, der Betrieb der Zeche Lohberg kam zum Erliegen. 1924 räumten die belgischen Besatzer Dinslaken und die Kohleförderung in Lohberg wurde erneut aufgenommen. Noch im selben Jahr besuchte Konrad Adenauer die Stadt, die sich langsam von den Wirrungen der Vorjahre erholte. 1926 gingen die August-Thyssen-Hütte und das Walzwerk Dinslaken in der neu gegründeten „Vereinigte Stahlwerke AG“ auf. Zwei Jahre darauf entstand die Baugenossenschaft „Hausbau GmbH“. 1930 wurde eine weitere Straßenbahnlinie der Kreis Ruhrorter Straßenbahn AG nach Hiesfeld eingerichtet. Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg  1930 entstand eine Ortsgruppe der NSDAP, kurze Zeit später organisierte sich die Hitlerjugend. Als Gegenbewegung entstand 1931 mit Unterstützung der KPD der „Kampfbund gegen den Faschismus“. 1933 trat der Stadtrat schließlich unter Ausschluss der  Fraktionsangehörigen von KPD und SPD zusammen. Daraufhin begann die systematische Diskriminierung jüdischer Mitbür-ger, so wurde die jüdische Bevölkerung 1935 offiziell von den Viehmärkten ausgeschlossen. 1938 wurden die Synagoge und das jüdische Waisenhaus zerstört, ebenso Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Bürger. Die jüdische Schule wurde geschlos-sen. Der Verbleib und das Schicksal der 35 Dinslakener Waisenkinder, die am Morgen des 10. November 1938, einen Tag nach der Reichspogromnacht, vor den Augen zahlreich versammelter Dinslakener Bürger gemeinsam mit einem ihrer Lehrer und Erzieher aus der Stadt mit einem Leiterwagen, den die ältesten der Kinder schieben mussten, ver-trieben wurden, ist bis heute  größtenteils ungeklärt. Ihr Leidensweg führte über Köln, Holland und Belgien. Man nimmt an, dass nur wenige der Kinder die Vertreibung überlebt haben. Jüdische Männer im Alter unter 60 Jahren – viele von ihnen hochdeko-rierte Soldaten des Ersten Weltkrieges – wurden von Dinslaken aus nach Sachsenhausen und Dachau deportiert. Das Waisenhausgebäude wurde in den nachfolgenden Jahren durch die NSDAP genutzt – heute erinnert an dieser Stelle ein Gedenkstein an die damaligen Ereignisse. An den so genannten Judenzug, den Zug der Kinder, erinnert zudem eine Skulptur des Dinslakener  Künstlers Alfred Grimm in der Nähe des Dinslakener Rathauses. Von den ehemals etwa 250 jüdischen Mitbür-gern lebte 1942 niemand mehr in der Stadt. Zum Kriegsausbruch 1939 gab es in Dinslaken rund 7480 Wohnungen. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Teile der Kirchhellener Heide zur Anlage eines Feldflughafens enteignet; bereits 1940 wurde Dinslaken daraufhin Ziel alliierter Bombenangriffe. 1944 gehörten diese beinahe zum Alltag und fanden im Juni ihren vorläufigen  Höhepunkt, als 130 Sprengbomben auf die Stadt fielen. Am 23. März 1945 begannen alliierte Bomberstaffeln schließlich Dinslaken  „sturmreif“ zu schießen. 511 Menschen, darunter auch 40 Zwangsarbeiter (Quelle: Stadtarchiv, 22. März 2005) kamen dabei ums Leben. Insgesamt kamen in  Dinslaken während des Zweiten Weltkrieges 739 Zivilisten und 165 Zwangsarbeiter ums Leben. Dinslaken wurde zu mehr als 80 Prozent zerstört. Am Morgen des 24. März 1945 rückten USamerikanische Truppen im Rahmen der Operation Plunder über den Rhein nach  Dinslaken vor und konnten es schließlich einnehmen. Bereits im April wurde im besetzten Dinslaken die Förderung der Zeche Lohberg wieder aufgenommen. Im Mai zogen die US-amerikanischen Truppen ab. Dinslaken wurde Teil der britischen Besatzungszone.  Gleichzeitig suchten erste Flüchtlinge aus den von sowjetischen Truppen besetzten Ostgebieten eine neue Heimat in Dinslaken. Nachkriegsgeschichte  1946 ernannte die Militärregierung den neuen Kreistag. Zum 1. April trat nach britischem Vorbild eine neue Gemeindeordnung in Kraft, Mitte des Monats fanden die ersten freien und geheimen Kreistagswahlen statt. Landrat wurde Arnold Verhoeven. Im September  konnten die Bürger Dinslakens erstmals einen neuen Stadtrat wählen. Im Oktober wurde Wilhelm Lantermann zum Bürgermeister  gewählt. In Trägerschaft des Kreises Dinslaken wurde zudem eine Volkshochschule gegründet. 1947 wurde das Bandeisenwalzwerk, ehemals das modernste und leistungsfähigste Europas, demontiert, 1948 die Müllabfuhr  modernisiert und die letzten Pferdefuhrwerke des städtischen Fuhrparks endgültig durch LKW ersetzt. Im selben Jahr wurde die Emscher in ein neues Flussbett am südwestlichen Stadtrand umgeleitet. Zeitgleich begann der Austausch der bisherigen Gas-Straßenlaternen durch elektrische Laternen, während der Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen des Kriegsvoran-getrieben wurde. 1950 zählte Dinslaken 32.651 Einwohner als Ergebnis einer Volks-, Berufs-, Wohnungs- und Arbeitsstättenzählung. Der Groß-viehmarkt, vor wenigen Jahrzehnten noch wirtschaftliches Standbein der Stadt, wurde im selben Jahr aus Rentabilitäts-gründen eingestellt. 1954 wurde mit der Trabrennbahn am Bärenkamp die heute einzige Halbmeilenbahn Deutschlands eröffnet und 1959 Heinrich Lübke als  Bundestagsabgeordneter des Kreises Dinslaken zum Bundespräsidenten gewählt. Nachdem schon 1955 Banater Schwaben und Kroatiendeutsche im Ortsteil Hiesfeld angesiedelt worden waren, wurden 1960 vor allem italienische Gastarbeiter für den Bergbau und die Industrie umworben, später auch Griechen, Koreaner und Türken. 1961 betrug die Einwohnerzahl noch 45.486, 1969 bereits 55.300. Ab 1971 sorgten Aussiedler aus Polen für weiteren Bevöl-kerungszuwachs. 1973 starb Wilhelm Lantermann nach 26 Jahren Amtszeit als Bürgermeister, sein Nachfolger wurde Karl Heinz Klingen. Im selben Jahr feierte  Dinslaken sein 700jähriges Stadtjubiläum. 1975 wird der Kreis Dinslaken im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms mit Teilen der Kreise Moers und Rees zum neuen Kreis Wesel vereinigt. Dabei verliert Dinslaken den Sitz des Kreises. 1978 überschreitet Dinslaken die 60.000 Einwohner-Marke. Zum Gedenken an die einstige jüdische Gemeinde Dinslakens und die geflohenen oder deportierten jüdischen Mitbürger wurden 1981 Gedenkplatten  aufgestellt, die an das ehemalige Waisenhaus und an die zerstörte Synagoge erinnern. Seit 1993 soll zudem ein Mahnmal des Hünxer Künstlers Alfred Grimm an die ehemals bestehende jüdische Gemeinde erinnern. Mehr als 30 jüdische Gäste aus aller Welt, überwiegend ehemalige Dinslakener Bürger, wurden zur Enthüllung des Mahnmals durch die Stadt zu einem einwöchigen Besuch eingeladen. 1991 kam Dinslaken überregional in die Schlagzeilen. Im Mai versickerten rund 270.000 Liter Benzin aus einer gebrochenen Pipeline an der Bundesautobahn 3 ins Erdreich. In Hiesfeld wurde kurz darauf vermutlich aufgrund des Bergbaus eine Gasleitung beschädigt, das Leck jedoch rechtzeitig entdeckt und versiegelt. Bergarbeiter der Zeche Lohberg traten aus Protest gegen die Kohlepolitik der  Bundesregierung 1000 Meter unter Tage in einen Hungerstreik, der bald auch in weiteren Zechen der Region ausgerufen wurde. Im Jahr 1996 brannten über 100 Tage Mahnfeuer, da die Kumpel der Zeche Lohberg-Osterfeld ihre Arbeitsplätze durch die restriktive Kohlepolitik gefährdet sahen. 1997 überschritt Dinslaken die Marke von 70.000 Einwohnern. Ende des Jahres 2005 wurde die Zeche Lohberg-   Osterfeld geschlossen. Mit der Reihe „Local Heroes“ machte Dinslaken als erste Teilnehmerkommune des Kulturhauptstadtjahres im Januar 2010 den  Programmauftakt zur europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010. zurück an Start  
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